Beowulf Tomek
Broschüre "Printer 535218 [or 295352182] on May 9, 2017 at 6:20 am (Reality Leigh Winner)" (2018)
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Broschüre "Printer 535218 [or 295352182] on May 9, 2017 at 6:20 am (Reality Leigh Winner)" (2018)
Die US-amerikanische Whistleblowerin Reality Leigh Winner war bis zu ihrer Verhaftung beim NSA-Dienstleister Pluribus International Corporation tätig und verfügte über eine Top Secret-Freigabe. 2017 spielte sie der Internetzeitung The Intercept nachrichtendienstliche Informationen zur Hackeraffäre zwischen Russland und den USA ab 2016 zu. Die von ihr zugespielten Dokumente wurden von The Intercept als PDF-Scans der Originale veröffentlicht und enthielten einen sogenannten Machine Identification Code, den eine Vielzahl von Farblaserdruckern in Form winziger gelber Punkte in ausgedruckten Dokumenten hinterlassen. Dieses steganographische Verfahren wurde als Übereinkunft zwischen Industrie und Regierungen zur forensischen Geräteidentifikation eingeführt. Über das Blatt verteilt werden in einer winzigen Punkt-Matrix spezifische Informationen zum Kopier- bzw. Druckvorgang wie Hersteller und Modellname des verwendeten Geräts sowie Datum und Uhrzeit hinterlassen. Mittels blauem Licht, einem Mikroskop oder digitaler Bildbearbeitung lassen sich diese Markierungen sichtbar machen und beispielsweise über ein von der Electronic Frontier Foundation im Reverse Engineering-Verfahren entwickeltes Online-Tool entschlüsseln.
In Winner’s Fall führte mutmaßlich unter anderem dieser Machine Identification Code zu ihrer Überführung als Informantin und Verhaftung am 03.06.2017. Aufgrund ihrer Trump-kritischen Positionierungen in sozialen Netzwerken und der Unterstützung von Bernie Sanders im US-Wahlkampf 2016 wurde ihr Fall schnell politisch vereinnahmt.
Die Existenz der gelben Punkte ist seit vielen Jahren bekannt und es gab mehrere Wellen medialer Berichterstattung zu dem Thema. 2004 erhielt die Firma Canon Deutschland den BigBrotherAward für diese Form der Verletzung von Privatsphäre. Mittlerweile weisen einige unabhängige Untersuchungen darauf hin, dass sämtliche Ausdrucke bzw. Kopien von Farblaserdruckern neuerer Bauart eine Form von Machine Identification Code enthalten, in den häufigsten Fällen gelbe Punkte. Forscher der TU Dresden konnten einen Großteil der Matrizen entschlüsseln und bieten ein Tool zum Download an, das die Lesbarkeit der Codes durch das Hinzufügen weiterer gelber Punkte beim Druckvorgang unterwandert.
Die Broschüreenthält aufgrund ihrer Herstellungsweise Hinweise zu Entstehungszeitpunkt und verwendeter Technik.
Scan der Broschüre downloaden (PDF, 4,29MB)
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